Wein ist Kunst- Eröffnung der Weingalerie Hagn

© Michael Reidinger

Eines Nachmittags hielt ich eine elegante Einladung in den Händen, die mich herzlich aufforderte zur Eröffnung der Weingalerie Hagn zu kommen. Dass das Weindomizil der Familie Hagn, die auf eine über 300-Jährige Familiengeschichte zurückblickt, stets für erstklassigen Weingenuss, sowie hervorragende kulinarische Erlebnisse sorgte, war mir klar. Der Gedanke einer Weingalerie intrigierte mich jedoch, konnte ich mir darunter noch kein genaues Bild dessen ausmalen, was mich erwarten würde. Ein einzigartiges Logo zog meine Aufmerksamkeit auf sich, das auf der rechten Seite der Einladung zu sehen war: eine Weinflasche, in ein goldenes Dreieck eingeschrieben, von der auf einer Seite die Goldfarbe tröpfelte. ‚Wein ist Kunst‘ lautete weiter die Annonce der schriftlichen Einladung. Kurzerhand beschloss ich, mich von der angekündigten Analogie mit eigenen Augen zu überzeugen, und einen Ausflug nach Mailberg zu unternehmen. Die Marktgemeinde Mailberg ist nämlich nicht nur für ihre hervorragenden Weinlagen bekannt, sondern auch für das Schloss Mailberg, das sich seit dem 12. Jahrhundert im Besitz des Malteser Ritterordens befindet, und den Besuchern eine Reise in die Vergangenheit bietet.


Beim Weindomizil Hagn angekommen, erblickte ich eine moderne Baustruktur, mit einer langgestreckten Terrasse, die neben dem Haupthaus dazu gebaut wurde und dem Besucher einen weiten Blick über die sanften Hügeln Mailbergs bietet. Ich nahm an, dass es sich um die Weingalerie handelte und steuerte auf sie zu. Als ich vor dem Eingang stand, hatte ich das Gefühl bei einer Film Gala oder einer ähnlich schicken Veranstaltung gelandet zu sein: ich war umgeben von graziösen Ladies in Abendroben in Begleitung stolzer Gentleman und dem Duft von teuren Parfüms. Um ins Innere der Weingalerie vorzudringen wurden die Gäste von einer Empfangsdame mit einem Bändchen versehen, das die Besucher der Weingalerie von denen des Weindomizils unterschied. Am Eingang vor der Fotowand wurde ich herzlichst von der, stets eleganten, Herrin des Hauses, Roswitha Hagn, begrüßt. Einen Moment später eilte ich schon hinter dem energisch schreitenden Herrn des Hauses, Wolfgang Hagn, der darauf bedacht war mich dem Künstler vorzustellen, welcher mit der Aufgabe betraut wurde die Räumlichkeiten der Weingalerie zu gestalten. Als ich mich bemühte den langen Gang zur neuen Location entlang zu laufen - was auf Absätzen kein leichtes Unterfangen darstellte - erhaschte ich einen flüchtigen Blick auf einen Teil des Kunstwerks, das dem Besucher die Vorfahren der Familie Hagn näherbringen soll. Im Laufe des Abends erfuhr ich, dass es sich beim Gemälde um eine Installation handelt, die, mittles Beamer-Projektionen, zum Leben erweckt wird und von den Gästen, wie ein Spektakel, betrachtet werden konnte.


© Michael Reidinger

Auf der sonnigen Terrasse der Weingalerie, abseits des Getümmels, fanden wir Akira Sakurai, den österreichischen Graffitikünstler mit japanischen Wurzeln, vertieft in ein Gespräch mit seiner Tochter, die ihren Vatter, voller Stolz, zu der Eröffnung begleitete. Reinen Gewissens, mich bei Akira erfolgreich abgestellt zu haben, wissend, dass ich mich nun in guten Händen befand, verließ uns Herr Hagn, ohne überflüssiges Gerede, um den Pflichten des Gastgebers woanders nachzugehen. Akira machte auf mich einen freundlichen, bescheidenen und bodenständigen Eindruck, den ich auf Anhieb sympathisch fand. Einer von Akiras zahlreichen Aufträgen führte zur Bekanntschaft mit Wolfgang Hagn Junior. Jener hegte die Idee einer Weingalerie, die allein zur Weinverkostung dienen sollte. Während Wolfgang ein Wiener Lokal mit Wein belieferte, stich ihm ein Graffiti ins Auge, das die Wände des Lokals schmückte. Es handelte sich um das großartige Werk von Akira Sakurai in der Spelunke, im 2. Wiener Bezirk. Eines führte zum anderen und es ergab sich eine ertragreiche Zusammenarbeit. Ein Gläschen Wein und einige arbeitsintensive Monate später war die Tat vollbracht.


In dem angenehm ungezwungenen Gespräch mit Akira erfuhr ich des Weiteren von seiner Liebe zum gesprayten Medium, und wie er, zum ersten Mal, zur Sprühdose - um genauer zu sein vierzig Sprühdosen - griff, nachdem ihn die Graffitiszene im Stich ließ: und zwar als er, vor rund 20 Jahren, beschloss einige Graffiti Künstler damit zu beauftragen, die Wände des von ihm geführten Wiener Hip Hop Lokals zu besprühen. Als er nun kurz vor einer Veranstaltung mit lauter Sprühdosen und keinem Graffitikünstler dastand, blieb ihm nichts Anderes übrig als selber Hand anzulegen. Dabei hörte er nicht mehr auf, seinen Weg als Graffitikünstler zu gehen. Was ihn an jenem Medium, nach wie vor, fasziniert, ist die Sprühdose selbst. Jene fasst er auf als Spiegel der Konsumgesellschaft selbst: nachdem die vorgefertigte Dose ausgesprüht ist, wird sie einfach entsorgt und eine neue gekauft.


© Michael Reidinger

Nun stand ich in den modernen, auf dem höchsten Niveau gestalteten, Räumlichkeiten der Weingalerie Hagn und bestaunte das grandiose Deckengemälde, mit den überwältigenden Maaßen von 10 x 3m², welches sich über meinem Kopf erstreckte. Die Familie Hagn ist stets darum bemüht die Werte der Vergangenheit weiterzugeben, richtet den Blick jedoch in die Zukunft. Die Idee hinter der Weingalerie ist demnach die Einigung des Traditionellen und des Zeitgenössischen, sowie die Überführung von Generationen. Jene Gratwanderung gelingt Akira durch die Verbindung von Ölfarben mit Spray. Während sich die Ölmalerei auf die Vergangenheit und Tradition bezieht, indem monochrome Stuckdekorationen erzielt werden, die an die Grisaille Technik der Barockzeit erinnern, versetzen die farbenfrohen Neonfarben des Sprays den Betrachter wieder zurück in die Zukunft. Eine Symbiose aus Alt und Neu entsteht, die der Betrachter beim Gläschen Wein verinnerlichen kann. Sowie ein guter Wein Zeit zum Reifen braucht, und es an einen Entstehungsprozess geknüpft ist, das den Machern viel Liebe und Geduld abverlangt, verhält es sich genauso mit einem Kunstwerk. Beiden ist gemein, dass sie für unvergessliche Sinneserlebnisse sorgen, denen die Weingalerie Hagn gemeinsam mit Akira Sakurai perfekten Platz bietet.


Umgeben von modernster Architektur, einem Blick über die Weinreben Mailbergs und inmitten eines großartigen Kunstwerks von Akira Sakurai können ab nun die Produkte des niederösterreichischen Weinguts verkostet werden.


WEINGALERIE (WEINVERKAUF): MI - FR: 10 - 12 Uhr & 13 - 17 Uhr, SA & SO: 10 - 17 Uhr.

www.hagn-weingut.at/de/weingalerie


Text von Diana Smaczynski


© Michael Reidinger


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