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Global Art im Fokus zeitgenössischer lateinamerikanischer Kunst

Der Beginn der neuen Internationalisierung der Kunst liegt zeitlich gesehen am Ende des Kalten Krieges und dem Fall der Berliner Mauer 1989. Seit damals und während der gesamten 90er Jahre fanden in den Kunsthauptstädten Europas und der USA eine Reihe von großen Ausstellungen statt, die ein neues Interesse an der Kunst aus den peripheren, nicht-westlichen, Ländern zeigten. Die erste Ausstellung auf internationaler Ebene, die diesem Konzept folgte, war Magiciens de la Terre, die im Museum Pompidou im Rahmen der Biennale von Paris 1989 vorgestellt wurde. Kurator war Jean Hubert Martin. Es gelang ihm auf hervorragende Weise, mit dieser Ausstellung die Konzepte von Universalität und Globalisierung in die künstlerische Debatte einzubringen.

Die Ausstellung gilt als eine „Manifest-Ausstellung“. Obwohl das Thema der universale Ausdruck und nicht die Alterität war, lud der Kurator die internationale Kunstszene zu einer Präsentation von außereuropäischer Kunst ein, die bis zu diesem Moment von den ästhetischen und theoretischen Debatten der westlichen Kunst ausgeschlossen war.

Exposition Magiciens de la terre - Richard Long

Bevor weltweit die Darstellung von zeitgenössicher Kunst bei den Biennalen beginnt, entsteht in Lateinamerika 1984 ein ähnliches Konzept mit der Biennale von Havanna, die sich als alternatives Forum zu gängigen Kunstströmungen sah. Ziel war es, jene Produktionen zu integrieren, die von jeher vom Kreis der “internationalen Kunst”, die heute als “global” definiert wird, ausgeschlossen waren. Bei der zweiten Biennale 1986 wurde auch Kunst aus Afrika, dem Mittleren Osten und Asien vorgestellt und das Augenmerk wurde auf die visuelle Kultur der Gemeinschaften und Volksgruppen aus diesen Ländern gelegt. Die Biennale von Havanna eröffnete einen neuen Weg der Reflexion und Diskussion in Regionen, die bis zu diesem Moment von der vorherrschend eurozentristischen Kunstkritik unterbewertet bzw. unterschätzt worden waren. Aktuell gibt es in Lateinamerika ein Netzwerk zwischen den folgenden Museen, die gemeinsam Ausstellungen organisieren: das MALI in Lima, das Malba in Buenos Aires, das MUAC in Mexiko und die Pinacoteca do Estado de São Paulo in Brasilien. Die Ausstellungen werden mit der Unterstützung des Museums Reina Sofía (Spanien) und des Museums of Fine Arts in Houston durchgeführt.


Die Integration von Mexiko in der neuen Internationalisierung der Kunst beginnt mit der Neupositionierung der konzeptionellen Kunst in den 80ern, als unabhängige Kunsträume wie El Archivero, La Agencia, El Salón de Aztecas oder La Quiñonera geöffnet werden.